Zur Biographie von Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn (1914-2003)

Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn, der Begründer unserer Konzertreihe, wurde 1914 als neuntes Kind des Prokuristen und Musikers Caspar Bodensohn (1863-1944) in Speyer geboren. In seinen Erinnerungen (1) beschreibt er die Zeit nach Beendigung des ersten Weltkrieges: „Links des Rheines regierte die Besatzungsmacht und bei den kinderreichen Familien der Hunger. In diese Zeit fiel meine erste Bekanntschaft musikalischer Art mittels einer kleinen Blechblockflöte, die man für zwei Groschen kaufen konnte. Der kleine fünfjährige Ernstl, genannte Busche, liebte sie und lernte gut damit zu spielen. Mein Vater, (...) konnte die Lage richtig einschätzen und kaufte dem Sechsjährigen zwei Meyer-Piccoli in Des- und C-Stimmung mit je sechs Grifflöchern und sechs Klappen. Damals kostete das Stück bei Hildesheimer 10 Mark. Der Knabe blies die Märsche und Teile von Walzern nach, die er in der „Waldeslust“, gespielt von dem ehemaligen Musikkorps des 2. bayerischen Pionier-Bataillons unter dem Dirigenten Michaelis, abgelauscht hatte.

 

 Harmonisches Ambiente bei Kerzenlicht: Ein Postkartenmotiv aus Schloss Favorite im Jahr 1957.

Ernst Fr. W. Bodensohn mit einer Traversflöte in der Sala terrena

 

Zur Biographie von Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn (1914-2003)

Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn, der Begründer unserer Konzertreihe, wurde 1914 als neuntes Kind des Prokuristen und Musikers Caspar Bodensohn (1863-1944) in Speyer geboren. In seinen Erinnerungen (1) beschreibt er die Zeit nach Beendigung des ersten Weltkrieges: „Links des Rheines regierte die Besatzungsmacht und bei den kinderreichen Familien der Hunger. In diese Zeit fiel meine erste Bekanntschaft musikalischer Art mittels einer kleinen Blechblockflöte, die man für zwei Groschen kaufen konnte. Der kleine fünfjährige Ernstl, genannte Busche, liebte sie und lernte gut damit zu spielen. Mein Vater, (...) konnte die Lage richtig einschätzen und kaufte dem Sechsjährigen zwei Meyer-Piccoli in Des- und C-Stimmung mit je sechs Grifflöchern und sechs Klappen. Damals kostete das Stück bei Hildesheimer 10 Mark. Der Knabe blies die Märsche und Teile von Walzern nach, die er in der „Waldeslust“, gespielt von dem ehemaligen Musikkorps des 2. bayerischen Pionier-Bataillons unter dem Dirigenten Michaelis, abgelauscht hatte.

 

 Harmonisches Ambiente bei Kerzenlicht: Ein Postkartenmotiv aus Schloss Favorite im Jahr 1957.

Ernst Fr. W. Bodensohn mit einer Traversflöte in der Sala terrena

 

Flötenspiel

“Autodidaktisch lernte Bodensohn also das Piccolo zu blasen. Später erhielt er Klavierunterricht bei seiner Schwester Lucie und lernte Violine bei einem Geigenlehrer in Speyer. Seine erste „richtige“ Flöte, eine Holzflöte, erhielt er im Alter von 16 Jahren. Er begann den Unterricht bei Max Fühler, dem damaligen Solo-Flötisten des Mannheimer Nationaltheaters.1931/32 bestand er die Prüfung an der neu gegründeten Mannheimer Hochschule mit bester Benotung. Das Studium war beendet und die neue deutsche Wehrmacht forderte die Einberufung. Zwei Jahre Wehrdienst folgten. Danach war es schwer. In Karlsruhe hätte er als Volontär des Soloflötisten am Theater arbeiten können, aber ohne Bezahlung. „Wovon leben? Ich verdingte mich bei der Stadtverwaltung Karlsruhe als Büroangestellter mit der Verpflichtung, in einem Blasorchester 2. Flöte zu blasen, bereitete mich nebenbei unter anstrengender Repetition auf Probespiele vor, z.B. Kaiserslautern, Nürnberg, Hannover und schrieb Bewerbungen - Bewerbungen, bis ich erneut zum Wehr- und Kriegsdienst eingezogen wurde. Sechs Jahre ohne Probespiel.“ 1939 begann der Kriegsdienst in der Wehrmacht und die Hoffnung auf eine Anstellung des 25-jährigen Musikers war vernichtet. Nach dem Krieg, dessen Wirren Bodensohn u.a. in Italien an der Front erlebte, wurde der Traum war. Er wurde zunächst Mitglied des Saarpfalzorchesters (1946-1948) und bereits 1948 war er der erste Solo-Flötist des neu gegründeten Sinfonieorchesters des Südwestfunk in Baden-Baden.

 

Baden-Baden

Ernst Bodensohn 1982 im Alter von 68 Jahren mit BVK

In dieser Zeit gab es sehr viel Neues, Erfreuliches und Unerfreuliches. Die große Orchesterliteratur und der Orchesterdienst bestimmten das musikalische Leben Bodensohns. Privat folgte 1955 der Umzug von Baden-Baden nach Ebersteinburg und nun war der Weg nach Favorite nicht mehr weit. Sein Quantz-Collegium hatte Bodensohn bereits 1952 wiedergegründet und mit diesem erneut konzertiert, u. a. in Schloss Ludwigsburg. Schloss Favorite stand in den Jahren 1956/57 „... in einem natürlich belassenen Schlosswald mit alten herrlichen Bäumen und verschwiegenen Wegen, unberührt von Krieg und Zerstörung. Hinweisschilder waren kaum vorhanden und nur wenig Leute wussten Genaues über seine Existenz ...“ Bodensohn hatte ein Reisecembalo, Notenpulte und Kerzenleuchter angeschafft und fünf „selbstgebaute“ Kostüme (diese gibt es bis heute noch!). Der damalige Leiter der zuständigen staatlichen Behörde war begeistert von der Idee einer Konzertreihe in Schloss Favorite und gab die Genehmigung: Die „Festlichen Serenaden Schloss Favorite“ waren geboren und es gab viel zu tun. Bodensohn baute eine Bühne. Stühle mussten unter schwierigen Bedingungen herbeigeschafft, Plakate entworfen, Programme geschrieben, Verträge unterzeichnet werden. Der Kartenverkauf wurde von Bodensohns Ehefrau Maria Bodensohn organisiert. Sogar Buslinien wurden eingerichtet. Das Ensemble studierte die Musik ein und alles wurde gerichtet. Dann war es soweit. Die Sala terrena war vom Kerzenlicht erleuchtet, vier Kerzen an jedem Pult und annähernd 100 Kerzen auf acht großen Leuchtständern in den vier Nischen der Sala terrena. Auch an der Abendkasse von Maria Bodensohn spendeten zwei Kerzen das einzige Licht.

 

 

Es erklang das Programm „Johann Sebastian Bach und seine Söhne“ und Bodensohn schrieb über die einzigartige Stimmung des ersten Konzertabends: „... das Gewitter während des ersten Konzertes und die zehn Schläge der Schlossuhr in einer Totenstille sind unvergesslich. (...) Auch die mit grosser Geschwindigkeit lautlos über die Köpfe der Zuhörer segelnden Fledermäuse kann man nicht vergessen.“ Was wäre unsere Konzertreihe ohne die Abwechslung und Vielzahl der Instrumente. Trotz des Anspruches, Musik für und mit Flöte aufzuführen, ist die Menge der unterschiedlichen Instrumente sehr groß und die mitwirkenden Musiker sind sehr zahlreich.

Mehr zu Ernst Fr.W. Bodensohn und seinem Ensemble, dem Quantz-Collegium lesen Sie hier.

 

Gedenken

 

Da der Tod der wahre
Endzweck unseres Lebens ist,
so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren,
besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht,
dass sein Bild nicht allein nichts schreckendes für mich hat,
sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes !

 

Wolfgang Amadeus Mozart, 4. April 1787

 

Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn

 

23.9.1914 - 14.11.2003

 

Wir trauern um den Gründer des Quantz- Collegium,
einem Vorbild und einen liebenswerten Menschen.
Unzählige musikalische Stunden hat er uns und
seinem Publikum in Schloss Favorite geschenkt.
Seine Ideen und sein Geist beflügeln die Konzerte in Schloss Favorite
bis heute und werden es auch in Zukunft tun.

 

Quantz-Collegium e.V. November 2003